Glück

Ich habe vor ein paar Wochen einen Roman geschenkt bekommen, welcher von der Suche nach dem Glück handelt. Daraufhin habe ich mir die Frage gestellt ob ich eigentlich glücklich bin. Keine so einfache Frage, dazu müsste man Glück nämlich definieren können.

Eingangs, um dem ganzen Thema näher zu kommen, habe ich mich gefragt, ob es etwas gibt , was ich gerne hätte, aber nicht besitze, was meinen Glücksfaktor irgendwie beeinträchtigen könnte. Mit besitzen ist nicht das Materielle gemeint, sondern das Persönliche. Spontan dachte ich mir, ich habe eigentlich alles was ich mir wünsche bis auf eine feste Beziehung. Ich verstehe mich blendend mit meiner Familie, habe tolle Freunde und Bekannte, ich sorge selbst dafür, dass ich weiter studieren kann in dem ich arbeiten gehe, die Firma in der ich arbeite ist toll, meine Kollegen angenehm, ich studiere was mich wirklich interessiert, bin Mitte letzten Jahres von zu Hause ausgezogen und lebe selbstständig und ich habe es geschafft in genau den Stadtteil zu ziehen in dem ich schon immer wohnen wollte. Dann fiel mir auf, dass es mich eigentlich garnicht so wirklich stört keinen Partner zu haben. Natürlich sehnt man sich in manchen Momenten danach und fühlt sich stellenweise einsam. Aber deshalb zu sagen ich bin nicht glücklich, wäre übertrieben.

Weiterhin schaute ich mir den Verlauf meines Lebens an, bis zum heutigen Zeitpunkt und ich muss sagen, dass ich verdammt nochmal echt viel Glück gehabt habe. Es gibt 2 Phasen in meinem Leben. Die eine reicht von meiner Geburt bis zum 15.9.2003 und die zweite Phase vom 01.7.2004 bis zum heutigen Tag. Richtig, es fehlen 10 Monate. Diese 10 Monate bilden einen Ausnahmezustand in meinem Leben. Denn in der Zeit war ich in Spanien und bin dort zur Schule gegangen und habe in einer Gastfamilie gewohnt.

Die erste Phase meines Lebens war durchwachsen bis überhaupt nicht toll. Als ich 10 Jahre alt war, verstarb die Mutter meines Vaters, meine Oma, an Krebs. Sie war für mich wie eine zweite Mutter und das hat mich stark getroffen. 3 Monate nach ihrem Tod ereielte uns die Nachricht, dass mein Urgroßvater einen Schlaganfall erlitten hatte, 2 Monate später starb auch er. Dann ging es los. Eine meiner Tanten war ebenfalls an Krebs erkrant, OPs hier, Methastasen dort, meine Urgroßmutter erkrankte an Alzheimer welches sich stetig verschlechterte, mein Opa bekam einen Herzinfarkt und man entdeckte daraufhin auch Krebs bei ihm, kurz darauf verstarb er, sowie meine Urgroßmutter. Während ich in Spanien war verstarb auch meine Tante die an Krebs erkrankt war. Das alles ereignete sich innerhalb von 5 Jahren.

Bevor ich nach Spanien fuhr, war ich eine verschlossene und sehr schüchterne, zurückgezogene Person. Abends und am Wochenende ging ich nie weg, saß nur zu Hause, ging niemals auf andere Menschen zu. Dann allerdings kam das Jahr welches alles veränderte. Ich kam wieder als eine ganz andere Person. Ich war lebhafter, offen für Neues und Menschen, ich war aus meinem Schneckenhäuschen gekommen und stand mitten im Leben. Und seitdem lief alles unglaublich gut. Ich fing in einer Firma an zu arbeiten bei der ich den ganzen Tag weiterhin Spanisch sprechen konnte, lernte dort Spanier und Südamerikaner kennen mit denen ich mich sehr schnell anfreundete und wir hatten eine unglaublich tolle Zeit miteinander. Unter denen war auch meine heutige beste Freundin, ein wahrer Glücksfall, da ich noch nie zuvor eine Person getroffen hatte mit der ich so auf einer Wellenlänge liege und die fast mit mir seelenverwandt zu sein scheint. Als ich in jener Firma aufhörte, war der Übergang nahtlos, da mein Vater mir half in der Firma in der er arbeitet anfangen zu können, weil dort eine Aushilfe gesucht wurde. Und es klappte ohne Probleme. Ich kenne die Firma schon seitdem ich klein war, und hatte immer ein sehr gutes Bild von ihr, welches bestätigt wurde. Mein Abitur im Jahre 2006 habe ich sehr gut gemeistert und irgendwie lief alles glatt. Das nenne ich Glück.

Bin ich nun glücklich dadurch dass ich viel Glück gehabt habe ? Ich denke ich kann mich zumindest glücklich schätzen. Ja. Eigentlich bin ich glücklich. Nein. Ohne Umschweife. Ich bin glücklich. Das ist eine eigenartige Erkenntnis, da ich rund um mich herum, unglaublich viel Gemecker höre. Dies ist schlecht, das nervt, jenes ist doof. Darf man da eigentlich glücklich sein und obendrein auch noch Optimist? Is mir eigentlich ziemlich wurscht. Ich bin es.

In der Liebe wie gesagt, hat es noch nicht so geklappt, habe erst vor 4 Wochen meine ersten Küsse bekommen (ich sage Küsse weil es nicht nur einer sondern sehr sehr viele waren ) und das 3 Wochen vor meinem 21. Geburtstag. Irgendwie traurig, aber es hat alles irgendwie nie gepasst auch wenn es Interessenten gab. Doch ein Weltuntergang is das trotzdem nicht finde ich. Das wird schon.

Also, was ist Glück? Ich denke ein besseres Wort ist Wohlbefinden. Und das ist sehr individuell. Sich wohlfühlen mit dem Leben welches man hat. Aber sich auch trauen etwas zu ändern wenn man merkt es gibt Komponenten die einen nicht erfüllen. Risiken eingehen um das Leben spannend zu halten. Es gibt vieles was einen glücklich machen kann.

Abkommen sollten wir von dem ständigen Rumgenörgel und Kritisieren, von dem Miesmachen und alles grau - meliert sehen. Wenn es soetwas wie Glück gibt, hat jeder Einzelne die Zügel selbst in der Hand....

3.1.08 14:47

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